Dieses Wochenende findet die NY Art Book Fair übernahm MoMA PS1. Mit dabei waren über 370 Buchhändler, Antiquare, Künstler, Institutionen und unabhängige Verlage aus 28 Ländern, und es kamen über 39.000 Besucher. Das Museum und sein Innenhof waren voll mit Zines, Ansteckern, Tragetaschen, T-Shirts, Drucken und ein Tattoo-Stand.
Das sind Künstler, die nach wie vor von Druckerzeugnissen fasziniert sind (tatsächlich wird die Ausstellung präsentiert von Drucksachen, (die weltweit führende gemeinnützige Organisation, die sich Künstlerbüchern widmet). Das Ergebnis ist eine zweitägige Ausstellung mit erschwinglichen und innovativen Publikationen. Wir haben poetische Gemeinschaftswerke, Archivsammlungen und selbstveröffentlichte Abschlussarbeiten entdeckt. Es war schwer, die Auswahl auf zehn Fotobücher einzugrenzen, aber es gab definitiv herausragende Werke, die es verdienen, besonders hervorgehoben zu werden.
Aus der sanften Dunkelheit der Bilder der schwedischen Fotografin Lina Scheynius’ Buch 08 zu den Auseinandersetzungen eines Fotokollektivs mit der Geschichte Osteuropas in Geschichten aus der Nachkriegszeit, unsere Liste der zehn besten Fotobücher von der NY Art Book Fair deckt ein breites Spektrum an Themen und Stilen ab. Sie spiegeln die Exzellenz und den Experimentierfreudigkeit im gedruckten Medium wider. Wenn du deine Sammlung erweitern möchtest oder ein Geschenk für einen fotobegeisterten Freund suchst, sind das die Bücher, die du bestellen solltest – ganz ohne Reise nach New York.
1. Königin von Hannah Whitaker, Sarah Palmer, Molly Matalon, Patricia Voulgaris, Kat Shannon, Grace Ann Leadbeater und Nikki Kreckiki
Königin ist ein Gemeinschaftsprojekt von sieben Fotografinnen und einer Autorin. Die sieben Fotografinnen (Hannah Whitaker, Sarah Palmer, Molly Matalon, Patricia Voulgaris, Kat Shannon, Grace Ann Leadbeater und Nikki Kreckiki) steuern alle Werke bei, um eine Kurzgeschichte von Amina Cain zu illustrieren.
Uns hat das Konzept, dass Künstlerinnen gemeinsam an einer Geschichte arbeiten, sehr gut gefallen, aber vor allem stachen die Arbeiten der einzelnen Fotografinnen hervor. Amina Cain ist außerdem eine gefeierte Autorin und Kuratorin. Sie ist zudem Redakteurin des Kunstmagazins Bombe. Wir finden es toll, wie dieses Projekt die Welt der Fotografie und die Welt der Literatur miteinander verbindet.
2. Buch 08 von Lina Scheynius
Schwedischer Fotograf Lina Scheynius's Buch 08 ist – man glaubt’s kaum – der achte Band einer zehnbändigen Reihe Fotobücher die sie gestaltet. Dieses Buch ist im Februar 2016 erschienen und wurde in einer Auflage von nur 1000 Exemplaren gedruckt. Außerdem fertigt sie 100 Exemplare an, denen ein Druck in limitierter Auflage beiliegt.
Die beliebte Londoner Buchhandlung Claire aus Rouen Das Buch wurde auf der Messe vorgestellt, aber die Bücher sind eigentlich im Selbstverlag bei Scheynius erschienen. Wir lieben die stille Intimität, mit der sie alltägliche Momente einfängt. Diese alltäglichen Bilder strahlen eine gewisse Sanftheit aus, haben aber auch eine dunkle Seite und eine unterschwellige Sexualität. Vom Buch sind nur noch 100 Exemplare übrig, aber haltet Ausschau nach ihren zukünftigen Büchern in dieser Reihe.
3. Neue Gesten von Nico Krijno
L’Artiere Das Haus hat sich auf den Druck von Fotobüchern spezialisiert, und jedes Buch ist mit einem einheitlich gestalteten Hardcover versehen. Die Herausgeber legen großen Wert auf handwerkliches Können und achten besonders auf archivtaugliche Materialien. Anstelle des von vielen Zines bevorzugten schnellen und unkomplizierten Ansatzes bietet dieser fokussierte Kleinverlag Buchsammlern Qualität und Langlebigkeit.
Abgesehen von der Qualität hat uns dieses Buch vor allem wegen seines Inhalts gefallen. Nico Krijno macht Studioaufnahmen, bei denen er Objekte so arrangiert, dass spektakuläre Situationen entstehen. Die Arbeit steht ganz im Zeichen eines aktuellen Trends in der Studiofotografie, zu dem auch Fotografen wie Thomas Demand, Annette Kelm und Thorston Brinkman gehören.
4. 2041 von einem anonymen britischen Fotografen
Nicht einmal der Herausgeber dieses Fotobuchs, Hier klicken, kennt die Identität des Künstlers. Der Titel 2041 bezieht sich auf das Pseudonym des Künstlers, und in dem Buch fotografiert er sich selbst in Kostümen, die meist an Burkas erinnern, in alltäglichen Innenräumen. Diese Bilder setzen sich mit der Selbstverhüllung auseinander, aber auch mit Fragen zu Geschlecht und Identität. Sie sind ethisch fragwürdig, da die Position des Künstlers offen bleibt, und werfen Fragen zur Positionierung und zur Identitätspolitik auf. Das Buch weckt Neugier und hinterlässt ein eindringliches Gefühl.
5. Das Leben – eine ganz eigene Sache von Daniel Blaufuks
Dieses Buch des portugiesischen Künstlers Daniel Blaufuks entstand, nachdem Blaufuks sich von den Tagebüchern von Cesare Pavese, ein antifaschistischer italienischer Dichter und Romanautor des 20. Jahrhunderts. Das Werk beschäftigt sich mit der Idee eines Tagebuchs, das versucht, flüchtige Momente festzuhalten. Die Bilder fangen prägnante und spannungsgeladene Erzählungen ein, deren Bedeutung nur flüchtig ist. Der Titel, der auch der Titel von Paveses Tagebüchern ist, beschreibt treffend, wie leicht sich das Leben monoton und anstrengend anfühlen kann.
6. „Black Threads“ von Meng Chiao von Justine Kurland und John Yau
Dieses Buch dokumentiert ein Gemeinschaftsprojekt des Fotografen Kurland und Kunstkritiker Yau. Kurland machte Fotos als Reaktion auf Yaus Texte, und umgekehrt. Die Erkundungen überschneiden sich und umschließen einander, wodurch eine gemeinsame Erfahrung entstand, aus der ein Buchkunstwerk hervorging.
„Black Threads“ von Meng Chiao Das Projekt entstand aus einer gemeinsamen Frustration heraus, als beide Künstlerinnen plötzlich ans Haus gefesselt waren. Kurland kümmerte sich um ihr Kind und Yau hatte sich die Beine verletzt. Das Projekt entstand aus dem Austausch von Bildern und Texten per E-Mail. Sie schufen das Werk, um mit der Unbeweglichkeit und dem Gefühl umzugehen, von den Umständen eingesperrt zu sein. Bewundernswerterweise nutzten sie das kreative Schaffen als einen Weg, sich zu entlasten.
7. Geschichten aus der Nachkriegszeit von Claudia Heinermann, Indré Šerpytytė und Michal Iwanowski
Dieses Buch erschien anlässlich einer Ausstellung in Litauen, die ebenfalls den Titel trug Geschichten aus der Nachkriegszeit. Die drei Fotografen, die aus verschiedenen Ländern stammen (Deutschland, Polen und Litauen), setzen sich auf unterschiedliche, aber gleichermaßen bewegende Weise mit der Frage auseinander, was nach dem Krieg passiert.
Heinermann besucht Deutsche, die 1944 vertrieben wurden und damals von litauischen Bauern gerettet wurden. Das Projekt verbindet die Schrecken ihrer Vergangenheit mit den Folgen der Vertreibung. Šerpytytė schafft Bilder, die zeigen, wie der Kalte Krieg ihr Heimatland Litauen geprägt hat. Sie beauftragt einen Holzschnitzer, Miniaturmodelle litauischer Familienhäuschen nachzubilden, die während des Krieges zu Orten der Folter und Verhöre wurden. Iwanowski stellt die Flucht aus Russland nach, die sein Großvater und sein Großonkel 1945 unternommen haben. Die beiden legten über 2000 km zu Fuß zurück, um nach Polen zu fliehen und ihre Familie zu suchen. Jeder in dem Buch vorgestellte Künstler beschäftigt sich damit, wie Emotionen, Familie und Schrecken mit einem Ort verbunden sind.
8. Verschobene Objekte von Georgia Hutchison & Arini Byng
Verschobene Objekte zeigt die Arbeiten des australischen Fotografenduos Hutchinson und Byng. Ihre verspielten Bilder lassen sich von Stockfotografie, Architekturmodellen und Stillleben inspirieren. Das Duo spielt mit Farben und der Fähigkeit von Formen, Charakter anzunehmen. Die Bilder scheinen bezeichnend für einen wachsenden Trend in der zeitgenössischen Kunst zu sein, der untersucht, welche Bedeutung Objekte jenseits menschlicher Belange haben.
9. Süße kleine Lügen von Amanda James
Dieses im Eigenverlag erschienene Buch entstand im Rahmen von Amanda James’ Masterarbeit im Studiengang Fotografie an der University of Hartford. Es stellt Bilder aus dem Leben in Utah Texten aus der Bibel über die Rolle der Frau gegenüber. Das Buch verknüpft Liebe, die Erwartungen an Frauen und den Verlust von Freiheit in einer Sammlung aus Bildern und Texten. Süße kleine Lügen wird aus der Perspektive einer Frau erzählt, die sich mit den schwierigen Herausforderungen des Mutterseins, des Künstlerdaseins und des Frau-Seins auseinandersetzt.
10. Hochwasser von Charles Harlan
Hochwasser ist ein in kleiner Auflage erschienenes Künstlerbuch und ein Katalog zu einer Ausstellung in Pioneer Works. Genau wie die Ausstellung zeigt auch das Buch Materialien, die man üblicherweise auf Baustellen und in Holzlagern findet. Der Künstler hebt den ästhetischen Wert alltäglicher Materialien hervor und verdeutlicht ihre schlichte Schönheit, aber auch ihre kulturelle Bedeutung, wenn sie einem neuen Zweck zugeführt werden. Begleitet wird das Buch von einem Essay mit dem Titel “Strange Utility” über Harlans Werk, verfasst vom Kurator David Everitt Howe.